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Mythos Olympia – Wie die S-Bahn zu ihren Farben kam

Klar, dass jede S-Bahn Linie ihre eigene Farbe hat, hilft beim Blick auf den Plan bei der Orientierung. Aber wie kommen denn eigentlich die Linien zu ihren jeweiligen Farben? Diese Frage hat sich sicher nicht nur unsere Leserin Angela schon einmal gestellt. Aber Angela hat das Ganze so beschäftigt, dass sie uns gleich mal eine Mail geschrieben hat. Wir haben uns also in ihrem Auftrag an die Recherche gemacht und unter anderem unseren Bahngeschichtsexperten befragt. Dabei kam Erstaunliches heraus. Wir sind nicht nur einem breiten Mythos auf die Schliche gekommen, ganz nebenbei haben wir auch einen besonderen historischen Ort in München entdeckt. Aber lest selbst! 

Der Münchner Mythos von den Farben

Glaubt man einer weit verbreiteten Behauptung, dann waren die Farben der Olympischen Spiele die Inspirationsquelle für die kunterbunte Vielfalt unserer S-Bahnen. Und zumindest für die Farbgebung der Tunnelbahnhöfe der Stammstrecke stimmt das auch. Deren Farbgebung orientierte sich wirklich an den olympischen Ringen, sowie am Farbkonzept, das Otl Aicher für die Münchner Spiele entworfen hatte – dem historischen Sommerevent, das einst die Geburtsstunde der S-Bahn München markierte: Der 28. April 1972, an diesem Tag wurden die ersten Fahrgäste chauffiert. Und gleich darauf in den 17 Tagen während der Olympischen Spiele über drei Millionen weitere – Eine ganz schöne Feuertaufe war das! Und auch der Münchener Alltag wurde mit einem Schlag attraktiver: Die Fahrtzeiten schrumpften wie Eis in der Sonne und überfüllte Bahnen, rußige Dampfloks sowie einige längere Autokolonnen gehörten erstmal der Vergangenheit an.

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U-Bahn voraus!

Eine schöne Erinnerung ist das. Die Erklärung für die Farbigkeit unserer Linien ist es aber überraschenderweise nicht. Stattdessen war es doch tatsächlich eine U-Bahn, die den Stein ins Rollen brachte, verrät uns Bahnhistorien-Experte. Die U6 bekam nämlich zuerst eine Farbe zugewiesen. Ihr Blau sollte an das Straßenbahnerblau der Stadtwerke erinnern. Und soviel stand damals schon für die Linienfarben der S-Bahn München fest: Sie sollten sich erstens von den Farben der geplanten U-Bahn absetzen und zweitens angenehm fürs Auge sein. Dies galt besonders für die vielen Farben der Stammstrecke; sie sollten leicht zu unterscheiden sein. 

München so bunt wie seine S-Bahn 

Heute sind im Netz der S-Bahn München also folgende Farben zu finden: Die S1 kommt im himmlischen Gewand daher: hellblau. Die S2 und S6 schlagen mit ihrem Hell- bzw. Dunkelgrün in den Farben der Hoffnung auf und, dass die S3 die blumige Farbe Violett zugeteilt bekam, nun … Das ist wie bei allen anderen Farben auch purer Zufall. Wie ein fleißiges Bienchen chauffiert uns die S8 (früher die S5) mit ihrem Gelb und den schwarzen Ziffern an den Ammersee. Die S10 (heute S7) erscheint in bodenständigem Braun und die S21 hat den Kleinmädchentraum Rosa im Gepäck. Damit Auswärtige die Flughafenlinie nicht übersehen, bekam sie 1992 die wohl auffälligste Markierung: dicke Hummel-Streifen in Schwarz und Gelb. Und dann gab es noch die S11, die während der Olympischen Spiele 1972 als Sonderlinie fuhr. Dass die sich im zurückhaltenden Grau kleidete, hatte aber nichts mit ihrer Stellung zu tun. Denn gerade die Olympischen Spiele stellten für die heutige S-Bahn München ja, wie gesagt, eine tragende Rolle dar.

Eiltempo für die Olympischen Spiele

Erste Planungen für den modernen Vorortverkehr gab es bereits 1900. Aber wie es mit so großen Plänen eben oft ist: Sie werden gerne mal durchkreuzt oder auch aufgeschoben. Und zwar bis ordentlich Druck da ist. Und der kam nun: Die Isarmetropole drohte schon lange im Verkehrschaos zu versinken, sodass am 15. Juni 1966 der erste Spatenstich für die S-Bahn München getan wurde. Ein Jahr später gab es den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972. Und so sollte also aus einer einfachen Baugrube in nur sechs Jahren das modernste Nahverkehrssystem Deutschlands errichtet werden. Hinzu kam, dass es die „Olympischen Spiele der kurzen Wege“ werden sollten. Falls ihr also mal wieder vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen solltet, dann denkt doch einfach mal an die Geburtsstunde der S-Bahn München – hat ja auch irgendwie geklappt! Und wer weiß, vielleicht war neben unendlicher Muskelkraft und ganz schön viel Gehirnschmalz ja sogar Feenstaub im Spiel. Fest steht: Am 28. April 1972 fuhr die erste S-Bahn durch das frisch geborene Streckennetz in München. 

Auf den Spuren der S-Bahn Geschichte

Wer sich übrigens mal nach fast einem halben Jahrhundert auf diese historischen Spuren begeben will, der kann zum stillgelegten, alten Olympiabahnhof fahren. Er wurde im Rahmen der Sommerspiele am Olympiapark extra für den massiven Besucherandrang erbaut und war bis 1988 in Betrieb. Heute steht der Bahnhof unter Denkmalschutz und genießt in Ruhe seine Rente. Das Alter geht natürlich auch an einem so majestätischen Bahnhof nicht spurlos vorbei, aber genau das verleiht ihm seinen Charme und macht ihn zu einem spannenden, stummen Zeugen der S-Bahn München Geschichte. Denn noch immer ist der Trubel vorstellbar, der einst an diesem Geisterbahnhof herrschte. Die Gleise, auf denen tausende Sportbegeisterte anrollten, sind noch heute zu sehen, und auch einige mechanische Strukturen vom Stellwerk, sowie die Tunneldurchfahrt erinnern daran, dass hier einst eine blutjunge S-Bahn München ihre Gäste aus aller Welt zu den sportlichen Wettkämpfen fuhr. Natürlich ist der Bahnhof im Alter etwas grau geworden. Aber wer sich an frischen Farben erfreuen will, der braucht ja nur einen Blick auf unseren Fahrplan zu werfen. 

© Olympiabahnhof s/w + Headerbild: DB Museum, Nürnberg