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Betrieb & Technik

Gleise sind keine Abkürzung – neue Präventionszäune am Bahnsteigende

Ob ihr es glaubt oder nicht, es gibt immer wieder Menschen, die verbotenerweise auf unseren Gleisen spazieren. Um eine Abkürzung zu nehmen, der S-Bahn hinterherzulaufen oder, weil sie es – oft unter Alkoholeinfluss – für eine gute Idee halten. Das führt nicht nur dazu, dass der Zugverkehr zum Stillstand kommt und es für viele Fahrgäste nicht weitergeht, sondern ist absolut lebensgefährlich und strafbar! Betriebsqualitätsmanager Anian hat sich deshalb der Sache angenommen und baut in Zusammenarbeit mit Christian von DB Netz und Daniel von DB Station&Service Präventionszäune an die Bahnsteigenden. Uns hat er die Ziele für 2021 im Interview verraten.

Sicherheit geht vor Pünktlichkeit

Wir stehen mit Anian an den Gleisen 5 und 6 am Ostbahnhof. Ganz am Ende des Bahnsteigs, denn dort stehen sie, die neuen Präventionszäune. Das sind Absperrungen, die verhindern, dass Personen in den Gleisbereich laufen. Wir sind überrascht, dass so eine Baumaßname überhaupt nötig ist, doch Anians Analysen haben genau das ergeben. „Wir hatten über 240 gemeldete Vorfälle im Jahr 2019, die Dunkelziffer ist aber ungefähr zehnmal so hoch“, erklärt uns Daniel. „Würden alle Vorfälle gemeldet werden, würde die S-Bahn mehr stehen als fahren“, ergänzt Anian. Ganz nach unserer S-Bahn Philosophie „Sicherheit geht vor Pünktlichkeit“ werden nämlich, sobald Personen im Gleis gemeldet werden, die Strecken gesperrt und die Bundespolizei alarmiert. Das ärgert sowohl unsere Fahrgäste als auch uns von der S-Bahn. Denn wir kämpfen jeden Tag um jede Sekunde, damit die S-Bahnen stabil und pünktlich unterwegs sind.

Drei starke Männer für eine starke S-Bahn München

Um genau das zu ermöglichen, haben sich Betriebsqualitätsmanager Anian von der S-Bahn, Programmmanager Daniel von Station&Service sowie Christian von DB Netz zusammengetan. Im Qualitätsprogramm „Zukunft S-Bahn München“ arbeiten sie bereichsübergreifend an smarten Lösungen – unter anderem für das Problem mit Personen im Gleis. In den Jahren 2018 bis 2019 wurden bereits die oberirdische Stammstrecke eingezäunt sowie Bahnsteigabschlusstüren in den Tunnelbahnhöfen und am Flughafen installiert.

Hotspot-Analyse

Vor allem Anian liegt das Thema sehr am Herzen. Er analysiert fleißig, befragt Lokführerkolleg*innen und berechnet die sogenannten „Hotspots“, also Punkte an denen besonders häufig Personen auf den Gleisen unterwegs sind. Das ist zum Beispiel während der Wiesn die Hackerbrücke: „Viele alkoholisierte Personen überschätzen sich und denken, sie können von dort auf den Gleisen zum Hauptbahnhof laufen“, erklärt Anian.

Das Wohl der Fahrgäste im Blick

Nicht nur alkoholisierte Menschen laufen auf den Gleisen, vor allem in ländlicheren Gegenden möchten die Menschen Umwege vermeiden und so „mal schnell“ über die Gleise laufen. Dadurch begeben sie sich in Lebensgefahr. Auch daran denken Anian und seine Kollegen: „Wir sehen das Problem und möchten es für unsere Fahrgäste leichter machen“, erklären sie uns. Deshalb wird zum Beispiel gerade der Bau einer Unterführung in Feldkirchen verlängert. So können die Passanten schneller zum gegenüberliegenden See kommen, ohne, dass sie den gefährlichen und verbotenen Weg über die Gleise nehmen.

Volle Fahrt voraus für neue Ideen

Ende Juli wurden auch Zäune an den Bahnsteigenden vom Ostbahnhof und der Hackerbrücke aufgestellt. Anian und seine Kollegen sind aber schon fleißig am Planen für neue Ideen, um Vorfälle mit Personen im Gleis weiter zu reduzieren. Auch der Einsatz neuer, innovativer Lösungen wird derzeit geprüft. Voraussichtlich im nächsten Jahr können wir euch dazu mehr erzählen – seid gespannt! Bis zu fünf Maßnahmen pro Jahr möchten die drei Männer umsetzen. Daran wollen wir sie nicht hindern und so verabschieden wir uns von ihnen. Schließlich haben die drei heute noch eine Mission: die nächste Ortsbegehung, für mehr Sicherheit und Qualität.

Zur Sicherheit für Klein und Groß

Weil die Gefahr am Gleis oft unterschätzt wird, informiert die DB gemeinsam mit der Bundespolizei an Schulen und mit Kampagnen regelmäßig über die Risiken.