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Hinter den Kulissen

Arbeiten bei der S-Bahn München in Zeiten von Corona

Wenn Lokführer Maxi morgens am Hauptbahnhof steht und die leeren Bahnsteige sieht, dann ist ihm schon etwas mulmig zumute. „Das ist tatsächlich etwas gruselig, Normalerweise ist zu der Zeit extrem viel los." Den Job möchte er aber trotzdem nicht tauschen. „Wochenlang im Home-Office hocken? Das ist absolut nichts für mich. Und einer muss den Job ja machen. Denn wenn wir nicht fahren, kommen die Leute nicht zur Arbeit, die einen systemrelevanten Job haben und deswegen unterwegs sein müssen.“

Aus dem Corona-Alltag eines Lokführers

Regelmäßig Händewaschen, mindestens 1,5 Meter Abstand halten. Diese Leitregeln gelten tagtäglich natürlich auch für Maxi – auch und gerade bei der Arbeit. Zudem wird an den Endhaltestellen vom Reinigungstrupp der Führerstand desinfiziert. Aktuell fahren Maxi und seine Kollegen jeden Tag den Samstagsfahrplan. Ziel ist ein stabiles Grundangebot, das für einen längeren Zeitraum Verlässlichkeit für die Fahrgäste bietet. Maxi sieht die Situation nüchtern: „Ich arbeite seit sieben Jahren bei der S-Bahn München, vier Jahre davon stehe ich im Führerstand. Bei mir in der Nachbarschaft klatschen die Leute zwar nicht um 21:00 Uhr am Fenster, aber das brauch' ich auch gar nicht. Ich mach meinen Job gerne. Denn wenn wir nicht mehr fahren, kommt auch kein anderer mehr zur Arbeit.“ Alles in allem merke man aber, dass die Wertschätzung für systemrelevante Jobs, wie seinen, gerade steigt, sagt er. „Und wenn das ein Effekt ist, der auch nach Corona anhält, dann hat das Ganze ja vielleicht zumindest einen guten Nebeneffekt gehabt.“

Die Stellung halten im Home-Office

Ein Großteil der Kollegen der S-Bahn München arbeitet wie Maxi „draußen“ – also als Lokführer im Führerstand, als Fahrtenplaner in der Leitstelle, im Werk Steinhausen, wo die S-Bahnen gewartet, repariert und gereinigt werden etc. Ein anderer Teil macht derzeit, wie viele Münchner, auch Home-Office. Zum Beispiel unser Kundenservice, also die Kollegen und Kolleginnen, die die Anrufe rund um die Hotline der S-Bahn München oder von DB Regio Bayern betreuen. Zum Beispiel Gabriele. „Natürlich fragen Kunden weiter nach Tarifen und Fahrplänen, aber es gibt in der aktuellen Situation auch neue Anfragen.“ Typische Fragen sind zum Beispiel: „Im Berufsverkehr ist in der S-Bahn immer noch viel los, können nicht mehr Wagen fahren?“ Oder: „Wie kann ich meine Monatskarte zurückgeben?“, „Ich bin gerade aus dem Krankenhaus gekommen, kann mein Helfer mit dem Zug zu mir fahren?“

Gabriele und die Kollegen wissen in der Regel auf jede Frage eine Antwort oder vermitteln direkt an den richtigen Ansprechpartner, wie beispielweise DB Dialog. „Alle Kollegen haben Laptops bekommen, die Telefone sind umgestellt, wir buchen uns im Bahnnetz ein und arbeiten mit denselben Systemen“, fügt ihr Kollege Guido hinzu, der das ehemalige Kinderzimmer seines erwachsenen Sohnes zum Home-Office umfunktioniert hat. Auch die digitalen Teammeetings funktionieren gut und helfen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu unterstützen, sagt er. „Der persönliche Kontakt über den Schreibtisch hinweg, die kurzen Wege, das gemeinsame Mittagessen in der Kantine – darauf möchte ich auf Dauer aber trotzdem nicht verzichten.“

Das Marketing: wie immer auf Hochtouren

Privilegiert ist in diesen Tagen, wer Home-Office machen kann – keine Frage. Das Arbeitspensum ist aber auch für die Kollegen, die vom heimischen Sofa oder vom Esstisch aus ihre Aufgaben meistern, sehr groß. Man denke zum Beispiel nur mal an alle Marketingmaßnahmen, die darauf ausgelegt sind, dass sie von möglichst vielen Leuten da draußen wahrgenommen werden. Die fallen jetzt natürlich flach. Beziehungsweise: „Alle Maßnahmen, von der Plakatierung bis zur Bespielung der Deckengondeln, müssen möglichst verlegt und umdisponiert werden“, erklärt Sara vom Marketing. Klar, wenn alle zuhause bleiben, laufen die ins Leere. Zusätzlich ist Sara für dieses Magazin zuständig, koordiniert die Themen und Interviews und nimmt die Artikel inhaltlich ab, die ihre Redaktionskolleginnen schreiben. „Da wir gerade natürlich möglichst dafür sorgen, dass Autoren und Interviewpartner nicht offline zusammenkommen, läuft derzeit alles per Telefoninterview ab. Fotos verwenden wir aus Archiven, sodass wir auch die Fotografen nicht losschicken müssen“, erklärt Sara. „Das stellt uns natürlich auch im Hinblick auf die Themen vor eine Herausforderung. Aber ich denke, wir haben auch in der Zeit der Ausgangsbeschränkung eine schöne Kombination aus typischen S-Bahn Themen und entspannten Freizeittipps für Zuhause parat. Bleibt also gespannt!“

Ausbildung wird digital

Und wie sieht es zu Zeiten von Corona eigentlich beim S-Bahn Nachwuchs aus, also bei unseren Lokführer-Azubis und Quereinsteigern? „Da sind wir gerade viel am Produzieren und Umstrukturieren“, erzählt uns Marc, Leiter der Qualifizierung und Prüfer für Triebfahrzeugführer, im Telefoninterview. Der Betriebsdienstunterricht im Werk Steinhausen findet weiterhin regelmäßig statt, aber natürlich unter Beobachtung aller hygienischen und gesundheitlichen Auflagen. Ebenso im Technikunterricht, hier bekommt jeder Lokführer einen persönlichen Trainer zugewiesen, von dem er alleine unterrichtet wird. Bei allen theoretischen Unterrichtseinheiten werden sie mit Materialien von der E-Learning-Plattform „DB Lernwelt“ unterstützt. „Die haben wir schon vor Corona standardmäßig genutzt“, erzählt uns Marc. Was jedoch peu à peu neu dazukommt, sind selbst aufgenommene Unterrichtseinheiten der Trainer. Mithilfe eines Whiteboards oder eines Streckenvideos werden die Inhalte von den Lehrern erklärt und vertont.

Statt im Klassenzimmer sitzen die Azubis und Quereinsteiger also gerade in virtuellen Räumen „à la Teammeeting“ und tauschen sich in regelmäßigen Abständen mit ihren Trainern und Klassenkameraden aus. Währenddessen drehen Marc und seine Kollegen weiterhin fleißig Filme, um unserem S-Bahn Nachwuchs trotz Krise die beste Ausbildung zu ermöglichen. So ist die Krise, wie in vielen anderen Unternehmen, auch bei der S-Bahn München ein Anstoß zur Weiterentwicklung.

Alles hat etwas Gutes, selbst die Krise

Wir merken also: So ernst die Situation auch gerade ist, eine Krise macht uns auch immer auf die Dinge aufmerksam, die wir anpacken und besser machen können. Zum Beispiel das mit dem „Danke" sagen. Wird viel zu oft vergessen. Darum klatschen wir jetzt mal in Gedanken für alle unsere tollen Kollegen – die da draußen an vorderster Front, aber auch für die im Home-Office. Danke, dass ihr jeden Tag weiterhin euer Bestes gebt! Und das sehen sicher nicht nur wir so, sondern alle Fahrgäste. Und denen danken wir nicht nur für ihr Verständnis, sondern auch für die Mithilfe, was das Abstand halten und Zuhause bleiben angeht. Gemeinsam stehen wir das durch!